Die Stufenweise Wiedereingliederung (auch: Hamburger Modell) ist eine Leistung der medizinischen Rehabilitation und soll arbeitsunfähige Beschäftigte nach längerer schwerer Krankheit mit einhergehender Leistungsminderung schrittweise unter ärztlicher Aufsicht wieder an die volle Arbeitsbelastung gewöhnen und so den Wiedereinstieg in den alten Beruf erleichtern. Während der stufenweisen Wiedereingliederung sind die Beschäftigten weiterhin krankgeschrieben und erhalten Krankengeld oder Übergangsgeld.

Die Stufenweise Wiedereingliederung ist eine Leistung der medizinischen Rehabilitation. Als Leistungsträger kommen die Krankenversicherung, Rentenversicherung sowie in speziellen Fällen auch die Agentur für Arbeit (wenn Betroffene aus dem Krankengeldanspruch gefallen sind und Arbeitslosengeld bekommen) oder die Unfallversicherung (wenn die Arbeitsunfähigkeit auf einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit zurückzuführen ist) in Frage. (Eine vergleichbare Leistung der Unfallversicherung ist die Belastungserprobung nach Arbeitsunfällen oder Berufskrankheit.)

Die Stufenweise Wiedereingliederung wird eingeleitet, nachdem der Arzt oder die Ärztin – unter Abstimmung aller Beteiligten – einen individuellen Stufenplan (auch: Wiedereingliederungsplan) erstellt hat, in dem die schrittweise Wiedereinführung in die bisherige Tätigkeit bis zum Erreichen der vollständigen Arbeitsfähigkeit festgelegt wird. In der Regel dauert eine Stufenweise Wiedereingliederung zwischen sechs Wochen und sechs Monaten.

Der Stufenplan umfasst
– Art und Weise der empfohlenen Beschäftigung mit den auszuübenden Tätigkeiten,
– die zu vermeidenden Belastungen,
– Umfang und Lage der täglichen Arbeitszeit,
– eine Prognose zur Dauer der Maßnahme,
– ein Rücktrittsrecht vor dem vereinbarten Ende (Gründe für einen Abbruch),
– Ruhen von Bestimmungen im Arbeitsvertrag während der Stufenweisen Wiedereingliederung.

Die Stufenweise Wiedereingliederung endet erfolgreich, wenn die oder der Beschäftigte wieder voll belastbar ist. Wird die schrittweise Arbeitsaufnahme abgebrochen, gelten die erkrankten Beschäftigten weiterhin als arbeitsunfähig. In diesem Fall werden in der Regel weitergehende medizinische oder berufliche Rehabilitationsmaßnahmen oder auch eine Erwerbsminderungsrente erwogen.

Quelle: REHADAT-Lexikon

Link: https://www.rehadat.de/lexikon/Lex-Stufenweise-Wiedereingliederung/

Arbeitsfähigkeit ist die Übereinstimmung zwischen dem, was ein Betrieb dauerhaft verlangt und dem, was eine Person leisten kann und will. Die Faktoren, die diese Übereinstimmung beeinflussen, werden im Modell Haus der Arbeitsfähigkeit zusammengefasst. Das Haus der Arbeitsfähigkeit nach Ilmarinen verfügt über vier Stockwerke:
– die erste Ebene beschreibt die individuellen Faktoren (persönliche Gesundheit und Gesundheitsverhalten),
– die zweite Ebene fokussiert auf die Kompetenz und die Qualifikationen der Beschäftigten,
– Ebene drei befasst sich mit den Werte und Einstellungen sowie der Motivation der Beschäftigen,
– in Ebene vier werden die Arbeitsbedingungen, Arbeitsorganisation und Führung beschrieben.
Die Entwicklung der Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten hängt davon ab, wie stabil das Haus gebaut ist und wie gut es instandgehalten wird. Die vier Stockwerke sowie das persönliche Umfeld geben die Handlungsebenen und -Ansätze wieder, um für eine hohe Arbeitsfähigkeit zu sorgen.

Quelle: WAI-Netzwerk (INQA)/REHADAT-Lexikon

Link: https://www.wainetzwerk.de/uploads/z-neue%20Uploads/Literatur/WAI_Arbeits-%20und%20Besch%C3%A4ftigungsf%C3%A4higkeit/Das%20Haus%20der%20Arbeitsfaehigkeit_Bauanleitung_Kloimueller%2C%20Klausz%2C%20Czeskleba.pdf

Herz-Kreislauf-Erkrankungen umfassen Erkrankungen des Herzens und des Blutgefäßsystems. Sie sind eine der häufigsten Todesursachen, treten mit höherem Alter zunehmend auf und haben auch deshalb in der Arbeitsmedizin eine hohe Bedeutung. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der verlängerten Lebensarbeitszeit gewinnen diese Erkrankungen für die Arbeitsmedizin immer mehr an Bedeutung.

Quelle: BAuA

Link: https://www.baua.de/DE/Themen/Praevention/Koerperliche-Gesundheit/Herz-Kreislauferkrankungen/_functions/BereichsPublikationssuche_Formular?nn=f3153158-1c40-4d2c-92f3-5517ccada2d4

Die arbeitsbezogenen Ursachen zur Entstehung einer Herz-Kreislauf-Erkrankung sind vielfältig. Dazu zählt die psychosoziale Belastung wie hohe Arbeitsanforderung bei geringem Handlungsspielraum, Gratifikationskrisen, Schichtarbeit und überlange Arbeitszeiten. Darüber hinaus erhöhen berufsbedingte Expositionen gegenüber Feinstaub und herzschädigenden Stoffen das Erkrankungsrisiko. Auch die physikalische Belastung (bspw. durch Lärm oder Hitze) sowie die körperliche Belastung (bspw. durch Körperzwangshaltung) können relevant sein.

Quelle: BAuA

Link: https://www.baua.de/DE/Themen/Praevention/Koerperliche-Gesundheit/Herz-Kreislauferkrankungen/Ursachen

Die ICD-10-GM (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision, German Modification) ist die amtliche Klassifikation zur Verschlüsselung von Diagnosen in der ambulanten und stationären Versorgung in Deutschland.

Quelle: Bundesinstitut für Arnzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)

Link: https://www.bfarm.de/DE/Kodiersysteme/Klassifikationen/ICD/ICD-10-GM/_node.html

Die ICD-11 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 11. Revision) ist seit dem 1. Januar 2022 in Kraft gesetzt. Der Zeitpunkt der Einführung für die Mortalitätskodierung (Anzahl Sterbefälle) ist in Deutschland noch offen. Die Einführung der ICD-11 in Deutschland zur Morbiditätskodierung (Krankheitshäufigkeit) wird aufgrund der hohen Integration der ICD im deutschen Gesundheitswesen und der damit verbundenen Komplexität noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen und kann auch die für die Mortalitätskodierung angedachte flexible Übergangszeit von mind. 5 Jahren überschreiten.

Quelle: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)

Link: https://www.bfarm.de/DE/Kodiersysteme/Klassifikationen/ICD/ICD-11/_node.html

Die internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) ist eine Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie wurde 2001 auf der 54. Vollversammlung der WHO verabschiedet und soll eine international einheitliche Kommunikation zur „Beschreibung des Gesundheitszustands und der mit Gesundheit zusammenhängenden Zustände“ (WHO 2005: 11 aller Menschen und damit nicht nur für Menschen mit Behinderungen ermöglichen:
Die ICF-Klassifikation ist mit Aspekten der funktionalen Gesundheit befasst. Danach gilt eine Person als funktional gesund, wenn – vor ihrem gesamten Lebenshintergrund (Konzept der Kontextfaktoren):
1. ihre körperlichen Funktionen (einschließlich des geistigen und seelischen Bereichs) und ihre Körperstrukturen allgemein anerkannten (statistischen) Normen entsprechen (Konzept der Körperfunktionen und -strukturen),
2. sie all das tut oder tun kann, was von einem Menschen ohne Gesundheitsproblem (ICD) erwartet wird (Konzept der Aktivitäten), und
3. sie ihr Dasein in allen Lebensbereichen, die ihr wichtig sind, in der Weise und dem Umfang entfalten kann, wie es von einem Menschen ohne Beeinträchtigung der Körperfunktionen oder -strukturen oder der Aktivitäten erwartet wird (Konzept der Teilhabe an Lebensbereichen)

Quelle: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)

Link: https://www.bfarm.de/DE/Kodiersysteme/Klassifikationen/ICF/_node.html

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) ist die älteste Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Hauptsitz in Genf. Sie ist zuständig für die Entwicklung, Formulierung und Durchsetzung verbindlicher internationaler Arbeits- und Sozialstandards.  Hauptziele der ILO sind die Förderung von menschenwürdiger Arbeit, sozialer Sicherung und die Stärkung des sozialen Dialogs.

Quelle: International Labour Organization (ILO)

Link: https://www.ilo.org/berlin/lang–de/index.htm

Individuelle Arbeitsgestaltung bezieht sich auf die Anpassung der Arbeitsbedingungen und -prozesse an die Bedürfnisse, Fähigkeiten und Präferenzen einer beschäftigten Person.

Quelle: Dettmers/Clauß: Arbeitsgestaltungskompetenzen für flexible und selbstgestaltete Arbeitsbedingungen

Link: https://www.researchgate.net/publication/320103240_Arbeitsgestaltungskompetenzen_fur_flexible_und_selbstgestaltete_Arbeitsbedingungen

Individuelle Leistungsvoraussetzungen des Menschen sind dessen physische und psychische Eigenschaften, die individuelle Voraussetzungen zur Erbringung der Arbeitsleistung bilden. Merkmale sind Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit. Die individuellen Leistungsvoraussetzungen sind nicht konstant, sondern werden von mehreren Faktoren beeinflusst. Die habituellen Faktoren haben einen langfristigen Einfluss, die situativen Faktoren beeinflussen kurzfristig. Zudem unterscheiden sich die individuellen Leistungsvoraussetzungen geschlechts- und altersspezifisch.

Quelle: Sifa-Lehrgang

Link: https://sifa-lernwelt.dguv.de/ilias.php?baseClass=ilrepositorygui&ref_id=81015